Was wurde nicht alles schon über den Konsumenten und sein unvorhersehbares Verhalten geschrieben – in den letzten Jahren noch verschärft durch Social Media, ZMOT (zero moment of truth) und die dadurch implizierte endlose Multioptionalität. Gern erinnere ich mich an meinen persönlichen Start in diese wunderbare Welt – es begann 1998 mit einem Artikel über den „Konsumenten mit 100 Köpfen“ im französischen Magazin PROCESS in dem ich darstellte, dass man nie genau weiß mit welchem Kopf des Konsumenten man gerade interagiert und kommuniziert. Mit Corona beginnt auch in der Forschung eine neue Zeitrechnung, da die derzeitigen Erlebnisse und Erfahrungen das Verhalten des Konsumenten nachhaltig verändern wird.  Ich würde vorschlagen, wir sprechen von 2020 als Jahr 0 n.C. (nicht nach Christi Geburt sondern nach Corona). Die viel zitierte Panik ist bisher in Deutschland ausgeblieben; 46% sehen trotz absehbarer Insolvenzen und möglicher Arbeitslosigkeiten kein Einfluss auf ihr Gehalt (Kantar). In diesen Zahlen vermute ich aber ein großes Bias – je nachdem ob es sich um Selbständige, Angestellte (in großen und kleinen Firmen) oder auch Beamte handelt. Der Konsument passt sich seinem neuen Alltag an, der systembedingt noch digitaler wird. Wir verbringen mehr Zeit zuhause und die „shopping experience“ reduziert sich auf Food shopping, was in diesen Zeiten wenig mit Experience zu tun hat. Somit bekommt der digitale Kanal eine noch stärker wachsende Bedeutung. Kinder spielen digital auf den gleichen Kanälen Zoom oder Skype wie ihre Eltern, die dort mit ihren Freunden einen E-Wein oder ein E-Bier zusammen genießen. Der Konsument passt sich an. Schnell. Und Sie?  Amazon sucht 100.000 neue Mitarbeiter um der exponentiell wachsenden Nachfrage gerecht werden zu können. Letzte Woche hat Jeff Bezos 10 Mrd Dollar verdient obwohl die Amazon Prime Lieferzeiten sich auf bis zu 4 Wochen verlängert haben. Er schafft die shopping experience, die man in der analogen Welt im Moment nicht haben kann und verändert damit langfristige implizite Automatismen beim Konsumenten. Spannende Zeiten. Wir müssen zuhause bleiben und machen es uns gemütlich – mit oder ohne Home Office. Auch linguistisch erleben wir spannende Zeiten, da es weder für gemütlich noch für mulmig oder Hamsterkauf englische Pendants gibt. Die Dänen haben den Begriff Hygge kreiert, ein vor vielen Jahren kreierter Begriff, der in etwa mit schönen angenehmen Momenten übersetzt werden kann (https://en.wikipedia.org/wiki/Hygge). Vielleicht sollten wir das Cocooning aus den 80er Jahren neu interpretieren, digital anreichern und mit Corooning im Jahr 0 bezeichnen? Disney Plus reagierte agil und zog den Launch in Deutschland vor – natürlich die ersten 7 Tage gratis. Mouthwatering lässt grüssen. Wir können nicht mehr reisen und Luxusprodukte werden zu Ladenhütern. Wohlfühlprodukte, (Brett)Spiele und Unterhaltung sind der Renner, und alles was hilfreich für die mentale und physische Fitness erscheint, geht durch die Decke. Vintage und Multisensorik kommen in dem Kontext verstärkt zurück. Der homo sapiens entdeckt die Telefonfunktion an ihrem Smartphone….die Zahl der Telefonate ging um 38% nach oben und die Gespräche habe sich um durchschnittlich 47% verlängert (Vodafone). Wir suchen Nähe und den Austausch. China ist uns nicht nur in der Corona Virus Lernkurve 4-8 Wochen voraus, wir können auch sehen, wie sich das Konsumentenverhalten dort schnell verändert. Durch Homeoffice und bei sich zuhause bleiben sinken die Umsätze in der Kosmetik und Fashion – wer möchte sich schon für Skype oder Zoom schminken? WeChat und TikTok verändern sich rasant in ihren Inhalten. Eine Fülle neuer Ideen für Produkte und Geschäftsmodelle entstehen. Hier kommt das sehr bekannt Zitat von David Ogilvy eine neue Relevanz: Der Verbraucher verhält sich nicht so, wie er sagt, er sagt nicht, was er denkt, und er denkt nicht, was er fühlt. Gerade jetzt ist es Zeit für implizite und digitale Formen der Konsumentenforschung, die es ermöglichen den Konsumenten in seiner neuen Welt zu verstehen – seine veränderten Bedürfnisse, Leidenschaften, Ängste und Träume. Seid ihr bereit?

Diese neue Zeitrechnung ist ein globales Phänomen – die Marken und Firmen, die sich im Jahr 0 n.C. am agilsten zeigen und die impliziten Wünsche und Träume der Konsumenten verstehen und ernst nehmen, werden als Gewinner aus der Krise hervorgehen. Ihr braucht Unterstützung? Die FutureFour Oliver, Jens, Max und Dag freuen sich auf Ihre Fragen.

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