Keiner weiß wie es weiter geht.

Die Apokalyptiker der Krise haben sicher unrecht. Aber sie haben mit ihren Ängsten und den düsteren Szenarien zumindest gezeigt, wie sich so eine Krise entwickeln könnte.

So haben sie geholfen, die geistige Bequemlichkeit ordentlich zu erschüttern. Das ist gut, denn wir müssen uns endlich der Zukunft stellen und uns vorbereiten.

Die Romantiker (im Herbst wird alles wieder gut) sind gefährlicher, denn diese sehen sich in der Zukunft schon wieder in der Sonne sitzen und den Wein aus alten Schläuchen trinken. In einer moderat geläuterten Welt. So einfach sollten wir es uns nicht machen. Die Gefahr ist zu groß, dass wir wieder zurück ins gemütliche Sofa plumpsen statt die Rüstung anzulegen und die Drachen zu bekämpfen. Jetzt müssen wir die nötigen neuen Fähigkeiten entwickeln, die wir ab sofort dringend brauchen. Offenheit, Risikobereitschaft, Innovationskraft, Kreativität und eine große Portion Mut.

Wir stehen erst am Anfang einer langen und harten Herausforderung. Das Virus ist nur ein Vorspiel. Das ist uns längst klar, auch wenn wir es gern verdrängen wollen.

Die Wirtschaft war schon krank vor dem Virus. Hyperkonsum, Turbokapitalismus, Blasenbildung, Überschuldung. Wir wussten längst um die Probleme und hatten Namen dafür. Aber wir haben uns nicht wirklich auf eine Diskussion eingelassen. Die steht jetzt an, denn die Wirtschaftskrise ist Realität. Es darf nicht weitergehen wir bisher.

Die Erde war schon krank vor dem Virus. Auch das wissen wir. Im Vergleich zu den aufziehenden Folgen der Klima Katastrophe werden die zu erwartenden Verluste an Menschenleben durch das Virus nur eine Fußnote im Geschichtsbuch sein. Auch das wissen wir, denn die Wissenschaft belegt die Entwicklungen mit harten Fakten und robusten Prognosen. Wir müssen uns darauf einstellen, die Klimakrise ist Realität. Es darf nicht weitergehen wir bisher.

Auch der Mensch kann krank werden und da horchen wir auf. Pandemien wird es, da sind sich die Wissenschaftler einig, zukünftig häufiger geben. Als Folge einer immens wachsenden Weltbevölkerung erschließen wir die Erde und dringen bis in die letzte Fledermaushöhle vor. Dort begegnen wir neuen Viren. Die Büchse der Pandora enthält auch den Stoff, aus dem Pandemien entstehen.

Was können wir jetzt tun?

Wir brauchen bei der Bewältigung der Krise sicher mehr als Zuschüsse und billige Kredite, um Liquiditätslöcher zu stopfen. Wir brauchen eine neue, mutige, offene und selbstkritische neue Haltung. Es nutzt nichts, wir werden eine neue Welt erschaffen müssen.

Wir müssen gegen die alten Überzeugungen kämpfen und für ein neues, faires Wirtschaftssystem. Für ein neues, rücksichtsvolles Leben, das wir nicht mehr auf Kosten anderer Menschen oder auf Kosten der Umwelt und der Artenvielfalt leben. Ein Leben ohne Kompromisse, ohne Subventionen und ohne dass wir  den kommenden Generationen Schulden aufbürden.

Wie können wir an einer neuen Vision arbeiten?

Technologie hilft. Ein wenig. Kaum hat die Krise begonnen, da reden wir eifrig über New Work und glauben, wenn wir eine virtuelle Konferenz technisch halbwegs überzeugend überstehen, hätten wir es schon fast geschafft. Weit gefehlt. Wir können die digitale Technologie sicher gut bei der Bewältigung der kommenden Herausforderungen nutzen. Schnelle Quantencomputer helfen uns, Krisenszenarios der kommenden Klimakatastrophe exakt zu berechnen. Künstliche Intelligenz und neue Technologien nehmen uns Arbeit ab und schenken uns Zeit. Die werden wir zum Nach- und Neudenken brauchen.

Ja, wir haben einige Werkzeuge. Aber unser bestes Werkzeug ist unser Geist, unsere Ideen, unsere Gemeinschaft, unsere Kreativität und unsere Kraft zu verändern. Stellen wir uns der Situation. Wir haben nicht eine Krise, wir haben viele und die werden uns noch lange fordern.

Lasst uns gemeinsam eine kraftvolle Vision für die Zukunft entwickeln. Lasst uns völlig neu denken!
Das ist kein Wunsch. Das ist eine Notwendigkeit.

Oliver Leisse ist Zukunftsforscher, Keynotespeaker, Autor, Podcaster.

Hinweis: Dieser Text ist frei abdruckbar mit dem Hinweis auf den Autor.

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