Die globale Wirtschaft leidet unter Corona. Branchen wie die Veranstaltungsindustrie und freischaffende Künstler schauen einer ungewissen Zukunft entgegen.
Gleichzeitig ist die aktuelle globale Situation nicht mit den Seuchen der Vergangenheit zu vergleichen. Die Digitalisierung macht nicht nur Home-Office der Massen möglich, sie erlaubt auch kleinen Unternehmen, schnelle Ausweichmöglichkeiten zu finden, um nicht vor dem Aus zu stehen. Wir wollen einen Blick auf einige von den vielen Unternehmen werfen, die sich der wechselnden Situation schnell angepasst haben und sehen, welche bleibenden Veränderungen daraus erwachsen.

Selbstgewählte Isolation, Social Distancing und andere Konzepte wurden für viele von uns ab der zweiten Märzwoche ungewohnte Realität. Auf einmal fuhr man nicht mehr zur Arbeit, man ging vom Schlaf- ins Arbeitszimmer und klappte den Laptop auf. Man kaufte bedachter und mehr auf Vorrat ein, zuhause wurden sofort die Hände gewaschen. Das eigene Leben wurde gefühlt ein Stück kleiner, Tag um Tag, als auch die Nachrichten zunahmen, die jedem der es machen und verantworten konnte, ein isoliertes Leben nahelegten.

Der wirtschaftliche Schaden, der durch das Erlahmen und Erliegen des öffentlichen Lebens verursacht wird, ist jetzt schon enorm. Kleinstbetriebe, gerade im Event- und Gastronomiesektor leiden besonders unter dem reduzierten öffentlichen Leben und einer drohenden Ausgangssperre. Dabei ist es beeindruckend, welche Lösungen einige von ihnen in kürzester Zeit entwickelt haben, um das fehlende Tagesgeschäft zu kompensieren.

Bube und König, ein Herrenausstatter aus Nürnberg hat beispielsweise sein gesamtes Business auf Instagram und Facebook verlagert. Das Konzept des Ladens, das bisher ganz auf der Persönlichkeit der Verkäufer aufgebaut hatte, hat nie einen Webshop erfordert, weshalb gar keine Infrastruktur existierte, um innerhalb weniger Tage von offline auf online zu wechseln. Doch in einem Punkt waren die Inhaber immer gut: Inhalte auf sozialen Medien posten. Seien es komplette Outfits oder ein Schwank aus dem Alltag, der Laden hat beim Verfassen dieser Zeilen 2.347 Posts und 4.544 Follower auf Instagram. Unter diesen Followern sind viele treue Kunden. Der Kanal postet jetzt täglich Outfitinspirationen, die Preise für die Teile stehen in der Fotobeschreibung und wer will, kann völlig formfrei über Direktnachrichten oder per Whatsapp bestellen. Bezahlt wird mit Paypal oder Überweisung. Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen.

Das dachten sich auch exemplarisch die beiden Hamburger Gastrokonzepte Milkmade Icecream und das Sternerestaurant 100/200. Der Eisladen sah sich durch die Pandemie gleich einer doppelten Belastung ausgesetzt, denn erst wenige Wochen vorher war überhaupt das Ladenlokal fertig geworden, das sofort geschlossen werden musste. Das junge Team hat sich davon aber nicht abschrecken lassen, sondern sofort umorientiert. Eine Facebook Messenger Integration auf der Website, sowie die gängigen Kanäle Whatsapp, Instagram, Telefon & E-Mail erlauben jetzt das Bestellen von Eisbechern aus dem Home-Office. Geliefert wird per Auto und Fahrrad, gezahlt wird per Paypal und zur Not auch bar auf die Hand.
Ein anderes System nutzt das mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete Restaurant 100/200 im Hamburger Hafen. Die Chefs Thomas Imbusch und Sophie Lehman haben schon in den Anfängen der Pandemie betont, dass an ihrem Restaurant nicht nur sie selbst, sondern vor allem auch die regionalen Zulieferer hängen. Um auch von diesen in Zeiten geschlossener Restauranttüren weiter Produkte abzunehmen, bietet das 100/200 jetzt eine Art grüne Kiste aus dem gehobenen regionalen Segment an. Der Clou: Die Bezahlung läuft über das Reservierungstool, das das Restaurant sonst für die Tischreservierung nutzt.

Diese drei Beispiele sind stellvertretend für das, was wir weltweit in diesen Zeiten beobachten können. Keine Frage, die Pandemie kann man nicht schönreden. Aber gerade im Vergleich zu ähnlichen Zuständen in der menschlichen Geschichte, oft wird ja die spanische Grippe als Beispiel herangezogen, haben wir heutzutage mit unserer digitalen Verbundenheit etwas, was früher einfach nicht da war.

Unsere ganzen digitalen Geräte ermöglichen es uns nicht nur, mit Oma und Opa eine Videokonferenz zu veranstalten, zuhause durch Youtube angeleitet Sport zu machen oder natürlich online etwas zu bestellen. Die Vernetzung der deutschen Gesellschaft und die Akzeptanz, die die Medien im Alltag erfahren, ermöglichen es auch Unternehmen jeder Größe Chancen zu nutzen, die früher undenkbar waren. Hyperlokal ausgespielte Werbung, das Zurückgreifen auf eine loyale Fangemeinschaft, um in diesen Zeiten gemeinsam solidarisch zusammenzuhalten, all das ist mittlerweile dank des Internets und den diversen Plattformen, auf denen wir uns tummeln machbar.

Wie sich die Situation über die nächsten Wochen und Monate weiterentwickelt, ist natürlich für niemanden abzusehen. Doch die Veränderungen und Entwicklungen, die wir jetzt dank unserer Vernetzung beobachten, werden auch dann weiter Bestand haben, wenn wir uns wieder unter klarem Himmel im Café treffen und über all das reden können, was uns in unseren vier Wänden passiert ist. Denn auch wenn gerade vieles schiefläuft und man darf nicht vergessen, dass viele Menschen durch die Pandemie ihre Beschäftigung verlieren, gibt es auch viele Fälle die demonstrieren „dass es geht“ und dass all die Gedanken um komplexe Verkaufsstrategien manchmal weniger bringen als eine pragmatische Haltung „es einfach zu machen“.

PS: Der nextReality.Hamburg e.V., der Verein der für eine Förderung von Augmented, Virtual und Mixed Reality in Hamburg kämpft, hat sein monatliches Meetup, das früher immer in Person stattfand, auch einfach komplett in die virtuelle Realität verlagert. Fazit: Ein bisschen komisch, aber irgendwie auch spannend.

Zusammenfassung: Es ist beeindruckend zu sehen, wie erfinderisch und einfallsreich die Menschen in Krisenzeiten werden können. Während die Corona-Zeit uns viel abverlangt, schaffen es vor allem kleine, lokale Unternehmen dank modernen Technologien einem kompletten Umsatzausfall zu entgehen. Dafür nutzen sie die meisten Kanäle nicht, wie sie ursprünglich gedacht waren, sondern so, wie sie jetzt gerade für sie Sinn und Zweck ergeben. Hoffen wir, dass uns durch diesen Einfallsreichtum und eine gemeinsame Solidarität auch das lokale Kleingewerbe durch die Krise erhalten bleiben kann.

PS: Das Titelbild ergibt sich in diesen Zeiten natürlich aus dem englischen Sprichwort „When life gives you lemons, make lemonade.“

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